- Start: 07. Oktober
- 6 online-Live-Module
- maximal 6 Teilnehmende
- 690 €
Wenn aus Nervosität Angst wird
Die meisten Menschen versuchen verständlicherweise, ihre Nervosität zu reduzieren.
Sie möchten ruhiger werden, sich besser kontrollieren, souveräner auftreten und möglichst verhindern, dass andere ihnen ihre Anspannung ansehen.
Das Problem dabei ist:
Gerade der Versuch, die eigenen Reaktionen unter Kontrolle zu bringen, kann einen erheblichen Teil der inneren Anspannung erst erzeugen oder verstärken.
Wer während eines Vortrags fortwährend überprüft, ob die Stimme zittert, die Hände ruhig sind, die Formulierungen stimmen und das Publikum die eigene Unsicherheit bemerkt, richtet seine Aufmerksamkeit zunehmend auf sich selbst.
Aus einer Kommunikationssituation wird eine permanente Selbstkontrolle.
Hinzu kommt ein zweiter Mechanismus:
Je weniger Nervosität auftreten darf, desto bedrohlicher wird jedes ihrer Anzeichen.
Ein schnellerer Herzschlag ist dann nicht einfach ein schnellerer Herzschlag, sondern möglicherweise bereits der Beginn eines befürchteten Kontrollverlustes.
Es entsteht Angst vor der Angst.
An diesem Punkt reichen einfache Tipps zum souveränen Auftreten häufig nicht mehr aus.
Es ist sinnvoller, genauer zu verstehen, was im eigenen Körper und Erleben eigentlich geschieht und welche persönlichen Strategien die Angst möglicherweise aufrechterhalten.
Erstes Ziel: Bleibe Handlungsfähig.
Das Ziel dieses Kurses ist nicht, Nervosität vollständig zu beseitigen.
Eine gewisse Aktivierung gehört zu exponierten Situationen und kann für einen lebendigen Vortrag sogar ausgesprochen hilfreich sein.
Entscheidend ist vielmehr, ob wir auch unter erhöhter Erregung weiterhin Zugang zu unseren Fähigkeiten haben:
Können wir denken, atmen und sprechen?
Nehmen wir unser Gegenüber noch wahr?
Können wir auf eine unerwartete Situation reagieren, ohne innerlich aus der Situationauszusteigen?
Und können wir eine eigene Unsicherheit aushalten, ohne sofort große Teile unserer Aufmerksamkeit darauf verwenden zu müssen, sie zu verbergen?
Mich interessiert deshalb weniger die Frage:
Wie werde ich meine Nervosität los?
Sondern:
Wie kann ich auch mit Nervosität präsent und handlungsfähig bleiben?
Daran werden wir über sechs aufeinander aufbauende Module arbeiten.
Was wir im Kurs untersuchen
und trainieren
und trainieren
Modul 1 – Verstehen, was wirklich passiert
07. Oktober, 09:30 – 11:30 Uhr
Redeangst entmystifizieren
Warum reagiert der Körper so heftig, obwohl objektiv keine Gefahr besteht?
Was geschieht bei Stress, Angst und Blackout im Nervensystem, und weshalb kann der Versuch, die Nervosität unbedingt loswerden zu wollen, die Situation zusätzlich verschärfen?
Wir beschäftigen uns mit den körperlichen und psychologischen Mechanismen hinter Redeangst und beginnen, die individuellen Muster der Teilnehmenden genauer zu untersuchen.
Mir ist dieser Schritt wichtig, weil eine heftige Angstreaktion leicht als persönliches Versagen erlebt wird: „Warum bekomme ausgerechnet ich das nicht hin?“
Wer die zugrunde liegenden Mechanismen versteht, kann beginnen, die eigene Reaktion weniger zu bewerten und stattdessen genauer mit ihr zu arbeiten.
Modul 2 – Körper zuerst
28. Oktober, 09:30 – 11:30 Uhr
Aus Alarm in Stabilität
Redeangst ist kein rein gedankliches Phänomen.
Sie manifestiert sich ganz wesentlich körperlich und lässt sich deshalb auch nicht ausschließlich durch Einsicht oder positives Denken verändern.
Wir arbeiten mit Atem, Haltung, Körperspannung und Stimme und untersuchen, welche Möglichkeiten es gibt, auf das eigene Erregungsniveau Einfluss zu nehmen.
Dabei geht es ausdrücklich nicht darum, vor einem Vortrag möglichst entspannt zu sein.
Ein guter Auftritt braucht Energie.
Gesucht wird vielmehr ein Zustand, in dem Aktivierung und Handlungsfähigkeit gleichzeitig möglich sind.
Modul 3 – Raus aus dem eigenen Kopf
11. November, 09:30 – 11:30 Uhr
Erwartungsdruck, Bewertungsangst und innerer Kritiker
„Ich darf keinen Fehler machen.“ – „Man darf mir meine Nervosität nicht ansehen.“
„Ich muss kompetent wirken.“ – „Ich darf mich nicht blamieren.“
Solche Gedanken sind nicht bloß lästige Begleiterscheinungen von Redeangst.
Sie können einen wesentlichen Anteil daran haben, dass eine Situation überhaupt als bedrohlich erlebt wird.
Wir beschäftigen uns deshalb mit Perfektionismus, Bewertungsangst und Scham, aber auch mit den individuellen Vorstellungen darüber, wie man vor anderen Menschen sein darf oder sein muss.
Welche Ansprüche sind tatsächlich sinnvoll?
Welche dienen der Vorbereitung?
Und welche erzeugen vor allem Kontrolle, Selbstbeobachtung und zusätzlichen Druck?
Modul 4 – Präsenz statt Performance-Zwang
25. November, 09:30 – 11:30 Uhr
Kontakt aufnehmen, statt sich selbst zu beobachten
Unter Stress verändert sich unser Aufmerksamkeitsfokus.
Wir beobachten verstärkt uns selbst und verlieren dabei leicht den tatsächlichen Kontakt zur Außenwelt.
Für einen Vortrag ist das fatal. Kommunikation braucht ein Gegenüber.
Deshalb arbeiten wir daran, die Aufmerksamkeit wieder stärker nach außen zu richten, andere Menschen nicht nur anzuschauen, sondern tatsächlich wahrzunehmen und aus einer realen Beziehung heraus zu sprechen.
Dabei untersuchen wir auch, welche Schutzbewegungen entstehen, sobald wir uns exponiert fühlen: körperlicher Rückzug, ein veränderter Stimmklang, übermäßige Kontrolle oder das Einnehmen einer vermeintlich professionellen Rolle.
Präsenz bedeutet in diesem Zusammenhang nicht, besonders souverän zu wirken.
Sie bedeutet zunächst einmal, verfügbar zu bleiben:
für sich selbst, für die Situation und für die Menschen, mit denen man gerade in Kontakt
Modul 5 – Wenn es tatsächlich schwierig wird
09. Dezember, 09:30 – 11:30 Uhr
Blackout, Fehler und Kontrollverlust
Viele Strategien gegen Lampenfieber beruhen auf der Hoffnung, einen gefürchteten Zustand verhindern zu können.
Was aber geschieht, wenn die Stimme tatsächlich zittert, der Gedanke abreißt, ein Fehler passiert oder die eigene Nervosität für andere sichtbar wird?
Wir entwickeln konkrete Strategien für solche Situationen und trainieren den Umgang mit Blackouts, Fehlern und Momenten von Kontrollverlust.
Dabei geht es um einen wichtigen Perspektivwechsel:
Sicherheit muss nicht ausschließlich daraus entstehen, dass nichts Unvorhergesehenes passiert.
Sie kann auch aus der Erfahrung wachsen, mit dem Unvorhergesehenen umgehen zu können.
Modul 6 – Sichtbar werden
16. Dezember, 09:30 – 11:30 Uhr
Erproben, integrieren und übertragen
Redeangst verändert sich nicht allein dadurch, dass wir ihre Mechanismen verstehen.
Unser Nervensystem braucht konkrete Erfahrungen, die den bisherigen Erfahrungen etwas Neues entgegensetzen.
Deshalb steht im letzten Modul das praktische Erproben im Mittelpunkt.
Wir arbeiten mit kleinen Auftrittssituationen, Präsenzübungen und Feedback; auf freiwilliger Basis können auch individuelle Situationen der Teilnehmenden untersucht werden.
Zum Abschluss entwickeln die Teilnehmenden ihr persönliches Nervositätsprofil:
- Welche Situationen aktivieren mich besonders stark?
- Woran erkenne ich frühzeitig, dass mein System in Alarmbereitschaft gerät?
- Welche meiner bisherigen Strategien helfen tatsächlich, welche verstärken das Problem möglicherweise?
- Und welche konkreten Möglichkeiten habe ich, um wieder mehr Kontakt, körperliche Regulation und Handlungsfreiheit herzustellen?
- Beginn: 07. Oktober
- Umfang: 6 aufeinander aufbauende Live-Module
- Format: online
- Gruppengröße: maximal 6 Teilnehmende
- Kursgebühr: 690 €
Im Preis enthalten sind alle sechs Live-Termine sowie begleitende Worksheets und Übungen für die Arbeit zwischen den Modulen.
Hi, ich bin Felix.

Ich arbeite seit vielen Jahren als Regisseur, Coach und Trainer mit Menschen, die vor anderen auftreten: mit Musiker*innen und Performer*innen ebenso wie mit Führungskräften, Speaker*innen, Hochschulen, Ensembles und Organisationen.
Bevor ich begann, andere Menschen in ihrer Bühnenarbeit zu begleiten, stand ich selbst viele Jahre professionell auf der Bühne, unter anderem bei der Blue Man Group in Berlin und als Musical-Solist.
Meine Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, unter welchen Bedingungen Menschen auf der Bühne tatsächlich präsent, resonanzfähig und ausdrucksstark werden. Dabei interessieren mich Körper und Stimme ebenso wie psychologische Prozesse, die Beziehung zum Publikum und die Wirkung des jeweiligen Raumes.
Gerade bei Lampenfieber erscheint mir eine rein technische Arbeit deshalb zu kurz gegriffen.
Natürlich können Atemtechniken, körperliche Regulation und eine gute Vorbereitung sehr hilfreich sein. Gleichzeitig lohnt es sich, genauer zu untersuchen, warum das eigene System eine bestimmte Situation überhaupt als derart bedrohlich erlebt und welche Schutzstrategien wir entwickelt haben, um mit dieser Bedrohung umzugehen.
Dort beginnt für mich die interessantere Arbeit.
Stimmen
Felix ist ein sehr genauer und einfühlsamer Beobachter. Selten hat mir eine Zusammenarbeit so viel Spaß gemacht! Ich kann sagen, die Arbeit mit Felix Powroslo gehört zum Besten, was mir im Laufe meiner künstlerischen Laufbahn passiert ist.
Bodo Wartke
(Klavierkabarettist)
Dank Ihrer Kompetenz war es möglich, den Teilnehmern die Bedeutung von Stimme und Körpersprache bei der Interviewführung zu vermitteln und deren Fähigkeiten rasch und nachhaltig zu verbessern. Den Erfolg führe ich auf Ihre sehr konzentrierte, präzise und zugleich sensible Arbeit mit den
Seminarteilnehmern zurück. Überflüssig zu erwähnen, dass ich besonders bei mehrtägigen Seminaren zu den Themen „Interview“ und „Porträt“ nur ungern auf Ihre Mitarbeit verzichte.
Peter Linden
(Journalist/Trainer/Dozent)
Es geht nicht darum, keine Angst mehr zu haben.
Ein sinnvoller Umgang mit Lampenfieber beginnt nicht mit dem Versprechen, dass die Angst verschwinden wird.
Interessanter ist die Frage, wie viel Macht sie über unser Verhalten haben muss.
Kann ich sprechen, obwohl mein Herz schneller schlägt?
Kann ich bei meinem Gegenüber bleiben, obwohl ein Teil von mir am liebsten aus der Situation verschwinden würde?
Kann ich einen Fehler machen, ohne dass daraus innerlich eine Katastrophe wird?
Und kann ich mich zeigen, ohne meine gesamte Energie darauf verwenden zu müssen, einen bestimmten Eindruck von mir aufrechtzuerhalten?
Wenn sich an diesen Punkten etwas verändert,
verändert sich häufig auch die Angst.
Nicht unbedingt, weil sie nie wieder auftaucht, sondern weil wir ihr nicht mehr vollständig das Feld überlassen müssen.
Präsent, wenn es zählt.
Frei wirst du, wenn du die Angst verlierst.
Die Angst verlierst du, wenn du Fehler machst.
Fehler verlieren ihren Schrecken,
wenn du mit ihnen zu spielen lernst.
